Haikus Corona April 2021

Haikus Corona April 2021 

Geduldsfadenriss 

Geduld ist eine Tugend

Geduldsprobenaus

+

Tagesspaziergang

Menschen weichen mir nicht aus

Besserwissertum

+

Der Postbote kommt

Er hat noch seine Arbeit

Arbeitslosigkeit

+

Eingesperrt allein

Wie ein Tier im Käfig

Käfigsyndrome

+

Die Sonne scheint hell

Dunkle Gedanken kreisen

Meine Seele weint

+

Die Angst vor Morgen

Jeder Tag neue Sorgen

Sorgentelefon

+

Wer redet mit mir?

Wieder ein trostloser Tag

Wortlosigkeiten

+

Ein Vöglein zwitschert

Was will es mir erzählen?

Hoch oben im Baum

+

Einsame Zeiten

Gruselige Pandemie

Annonymität

+

Kinderspielplatzzeit

Das Mädchen mit den Puppen

Puppentheater

( © Monika Zelle 24.04.2021 )

Hakuna Matata

Hakuna  Matata

Hexe Lilli hat einen Plan. Den kann sie aber nicht alleine bewältigen, dazu braucht sie Hilfe. Und zwar die Hilfe von ihrem besten Freund Pinoccio.

„Hokus Pokus Fidibus, drei mal schwarzer Kater!“, hext sie, und schon ist sie auf ihrem Besen in der Werkstatt des Tischlers Antonio gelandet.

Pinocchio hat Stubenarrest, weil er wieder einmal gelogen hat. Ausnahmsweise darf Hexe Lillie in seine Stube. „ Herrjemine, Deine Nase ist ja schon wieder gewachsen Pinocchio!“, ruft sie. Dann weiht sie ihn in ihren Plan ein. Pinocchio ist begeistert, endlich raus aus dem Haus.

Er bittet und bettelt seinen Meister an, mit Lilli den Plan ausführen zu dürfen.

Verraten darf er ihn natürlich nicht, sonst ist alles für die Katz.

Zuerst weigert Meister Antonio sich und ruft:“ Wo willst du schon wieder mit dieser rothaarigen Hexe hin, das kann doch nicht gut gehen!“

„ Rothaarig?“, kreischt Lilli, „ haben Sie etwa etwas gegen Rothaarige?“

Der Meister bekommt Angst, und schickt die beiden aus der Werkstatt. Immerhin ist Lilli ja  eine Hexe, und wer weiß, was sie so alles hexen kann.

„Hokos Pokus Fidibus drei mal Schwarzer Kater!“, hext Lilli wieder, und schon sind sie unterwegs auf ihrem Besen hoch in den Lüften. 

Pinocchio ist ganz berauscht von der Höhe. Endlich kann er die Welt einmal von Oben betrachten. 

Sie fliegen über Berge, Flüsse, Seen und Meere. Über die Wüste des Landes Afrika, wo es die meisten Kinder gibt.

Jetzt öffnet Lilli ihren Rucksack, und lässt Flugblätter herunter sausen auf denen geschrieben steht: „ Kinder aller Länder vereinigt Euch!“ 

Oder:“ Kinder an die Macht!“ 

So klein wie Stecknadelköpfe bücken die Kinder sich, sammeln die Flugblätter auf und rufen: „ Hakuna Matata!“ 

Pinnocchi schreit Lilli in die Ohren:“ Was heißt das, Hakuna Matata!“

„ Alles in Ordnung!“, schreit Lilli nach hinten, und weiter geht’s über Meere und Kontinente.

Auf der ganzen Welt halten die Kinder nun die Flugblätter in den Händen. Doch noch bevor sie ans Werk gehen können, verseucht ein Virus alle Kontinente der Erde. Während die Kinder noch überlegen, wie sie ihre Welt von dem Teufelswerk befreien können, hat Hexe Lille schon wieder eine Idee:

„ Ene Mene Schneckenschleim, der Stoff soll aus Fledermauskot sein!“, ruft sie. 

„Ja, Fledermauskot, das ist es!“, rufen die Kinder.

Sie brauen dieses übel riechende Zeug mit Kräutern und Gewürzen zusammen, und kochen daraus einen Sud. Hiervon soll nur ein kleines Schlückchen getrunken werden, und schon wird dieses Virus kein einziges Kind befallen. 

So wird es eines schönen Tages nur noch Kinder auf der Welt geben, die ihre Umwelt schützen, keine Kriege führen, und kein Hunger leiden. Ein Leben wie im Paradies.

So hat Lilli sich ihren Plan vorgestellt, und Pinocchio hat an sie geglaubt, und sie tatkräftig unterstützt.

Völlig erschöpft kommen Hexe Lilli und Pinocchio zu Hause an.

In der Werkstatt liegt der Meister Antonio, bereits tot.

( © Monika Zelle 31.03.2021 )

Haikus Corona 3. Welle

Haikus Corona 3. Welle März 2021 

Urlaub auf Mallorca

Im voll besetzten Flieger

Ungerechtigkeit

+

Gran Canaria

Flugzeuge fliegen wieder

Privilegierte

+

Unwegbarkeiten

Auf dem Hinflug getestet

Auf dem Rückflug nicht

+

Solidarität

Egoisten dieser Welt

Machen die Runde

+

Wir sitzen daheim

In der Gefängniszelle

Träume sind Schäume

+

Astra Zeneka

Impfstoff schlechter Güte?

Löst die Grippe aus

+

In der Pandemie

Aus der Zeit gefallen

Wo noch hingehen?

+

Flut ist im Fleet

Kleine Wellen schlagen hoch

Tide wechsel Dich

+

Wolken treiben schnell

Die Flut schlägt an die Deiche

Schimmelreiter kommt

+

Schnelllebige Zeit

Geduld ist eine Tugend

Langsamkeit der Welt

( © Monika Zelle 22.03.2021 )

Haikus Corona April 2021

Haikus Corona  im April 2021 

Endlich ist Frühling

Zartes Grün sprießt überall

Osterspaziergang

+

Sonne strahlend warm

Der Himmel unerreichbar

Hoch am Himmelszelt

+

Berge versetzen 

Wo ist die Zeit geblieben

Enkellebenszeit

+

In Dir ist Leben

Wecke die Lebensgeister

Die Geisterstunde

+

Brainstorming ist In

Die Fantasie anregen

Fantastereien?

+

Einsamkeitsgefühl

Decke fällt mir auf den Kopf

Sonntagsspaziergang

+

Warum noch Leben?

In diesen schlechten Zeiten?

Aussichtslosigkeit?

+

Trostloses Leben

Ein Tag wie der andere

Struktur ist alles

+

Der letzte Abschnitt

Alter nichts für Feiglinge

Mach das Beste draus

+

Der Lockdown bremst aus

Wir könnten in uns gehen

Leben ohne Stress?

+

Die Zahlen steigen

In unendliche Höhen

Kinderkrankheiten

+

Alles grau in grau

Die Zeit spiegelt die Menschen

Pandemiezeitgeist

+

Fridays for Future

Die Kinder verdienen es

Denkt an die Zukunft

+

+Die Hagelkörner

So groß wie kleine Erbsen

Laune der Natur?

( © Monika Zelle 03.04.2021 )

Der Frisör und die Hure

Der kleine Friseurladen in Eppendorf, einem renommierten Stadtteil von Hamburg, war nicht besonders.  Hier wohnten überwiegend wohlhabende Leute.

In diesen Laden verirrten sich allerdings nur Menschen mit eher geringem Einkommen.

Conni wollte sich eigentlich nicht die Haare schneiden lassen, als sie den Frisörsohn zum ersten Mal sah. 

Es war bei einer Arbeitskollegin in Eimsbüttel. Sie sollte auf ihre Kinder aufpassen, als der Frisör Sven hereinschneite, um die Habseligkeiten seines Freundes, der gerade von seiner Frau geschieden war, abzuholen.

Er verliebte sich Hals über Kopf in Conni. Als er sie mit ihrem Alpenveilchen und einer Schallplatte für ihre Eltern zum Hochzeitstag, mit in seine Bude nahm, küssten sie sich zum ersten mal leidenschaftlich.

Conni wunderte sich, das dass Zimmer voller Fernsehgeräte stand, die alle nicht funktionierten.

„ Da hat wohl jemand seinen Beruf verfehlt“, konstatierte sie.

So nahm die Geschichte ihren Lauf. 

Sven machte Conni oft die Haare schön, in dem kleinen Frisörsalon in Eppendorf.

Ja, Haare schneiden konnte er.

Eines Morgens überraschte sein Vater die beiden in dem Hinterzimmer des Salons.

„ Was will die denn hier!“ sagte er, taxierte Conni missbilligend von oben bis unten, drehte sich um, und knallte die Tür hinter sich zu.

Svens  Eltern wollten sie nicht. Sie war ja keine Frisörin.

Als er nach einem halben Jahr Spießrutenlaufen von zu Hause auszog, sagte sein Vater:

„ Du wirst in der Gosse landen mit dieser Frau!“

Weil Conni im Gängeviertel wohnte, dachten die Eltern, sie wäre eine Prostituierte. 

Sie stammte zwar aus einem einfachen Elternhaus, hatte jedoch eine Banklehre absolviert, und war jetzt bei der Stadt beschäftig, verdiente gutes Geld. 

Sven zog bei ihr ein.  Bald fand er einen Job als Techniker bei einer Computerfirma, und arbeitete sich schnell zum Gruppenleiter hoch, obwohl er diesen Beruf nicht erlernt hatte. Ein Naturtalent.

Seine Eltern meinten, er lebe polnisch mit dieser Frau zusammen.

Conni und Sven heirateten an einem sonnigen Tag im September ohne seine Eltern.

Noch einmal besuchten die beiden sie, als Conni schwanger war.

Abfällig sagten sie:“ Wie kann man sich in diesen Zeiten Kinder anschaffen!“

Die 1970iger Jahre waren gute Jahre, während Sven und seine Schwester in den Kriegsjahren zur Welt kamen.

Sven und Conni lebten ein gutes Leben mit ihrem Sohn, später bekamen sie noch eine Tochter.  Besuchte er seine Eltern, sagten sie zu ihm:“ Du kannst jederzeit kommen, deine Bagage hat hier nichts zu suchen.

So sah er die Eltern nie wieder.

Wäre es anders gekommen, wenn sie jemals erfahren hätten, dass ihr Enkelsohn ein Oberstudienrat, und ihre Enkeltochter eine erfolgreiche Marketingfachfrau geworden ist?

 ( © Monika Zelle 23.03.2021 )

Eingekleidete Aufgaben

Eingekleidete Aufgaben

Fröhlich sprang Lina die Treppen hinauf. Endlich Schulschluss. Sie war noch mit ihrer Freundin Margrit verabredet, im Kino. Der Film „ Christine“ mit Romy Schneider lief im Rondeel in der Dithmarscher Straße. Sie freute sich auf den Film mit ihrer Lieblingsschauspielerin.

Als Linas Mutter die Tür der Wohnung in der 3. Etage des Mietshauses öffnete, fiel es ihr siedend heiß ein. Ihre Mathearbeit. Wieder einmal eine Sechs.

„ Na und“, dachte sie bei sich, dafür konnten die anderen Klassenkameraden ihr in den Fächern Englisch, Deutsch und Schwimmen nicht das Wasser reichen, in allen hatte sie eine Eins.

Sie klingelte. 

Ihre Mutter öffnete. In ihrer frisch gebügelten Schürze sah sie zum anbeißen aus.

Sie bügelte jeden Tag, das Glas Coca Cola stand wie immer auf dem Bügelbett.

„ Hast Du deine Mathearbeit heute wieder bekommen Lina?“

„ Nein, wie so?“, log sie, „ Herr Böhme hatte noch keine Zeit, die Arbeit zu korrigieren.“

„ Na ja, sie wird wohl diesmal besser ausgefallen sein, wo wir doch schon so lange die eingekleideten Aufgaben üben.“

Summend wand sich die Mutter wieder ihrer Lieblingsbeschäftigung zu.

Im Radio spielte gerade „ Dein ist mein ganzes Herz“ von Rudolf Schock, dem Lieblingstenor ihrer Mutter.

Lina machte fix ihre Hausaufgaben, und wollte gerade aus der Tür huschen, da rief ihre Mutter:“ Wo willst Du denn hin! Wir wollten doch heute zu Tante Erna rüber, sie hat Geburtstag!“

„ Ich bin mit Margrit im Kino verabredet“, rief sie, und weg war sie.

Ihre Mutter rief ihr aus dem Fenster noch zu:“ Du kannst ja nach kommen !“

Lina winkte noch kurz herauf, dann war sie um die Häuserecke verschwunden.

Als sie am Abend nach Hause kam, noch Tränen in den Augen, weil der Film so traurig war, öffnete ihr Vater die Wohnungstür. Schweigend sah er Lina an.

Er nahm sie nicht wie sonst in den Arm.

Die Mutter saß in der Stube  auf dem Sofa. Vor ihr die Mathearbeit.

„ Hast Du also in meinem Ranzen gesucht!“, sagte Lena etwas vorwurfsvoll, „ Das tut man nicht!“

„ Man lügt aber auch nicht“, sagte ihre Mutter, und wie willst Du im Leben bestehen, wenn Du nicht eins und eins zusammen zählen kannst!“

Als Lina ihren Vater anschaute, der sich inzwischen in den Sessel gesetzt hatte, schüttelte er nur mit dem Kopf.

Er sprach eine ganze Woche nicht mit ihr.

( © Monika Zelle 16.03.2021 )

Modder Lütt

Modder Lütt

Der Zirkus ist wieder da, am Dulsberg, ein sehr kleiner Zirkus, auf dem Platz mit den Nissenhütten.

Er kam jedes Jahr zweimal mit seinen Seiltänzerinnen, Ponys und einem Clown.

Jeden Tag nach der Schule lief das Kind von Modder Lütt zu dem Zirkus, um die Vorstellung anzuschauen.

Kaum war es dort angekommen, flog das Fenster in der dritten Etage des Mietshauses auf, und Modder Lütt rief ganz laut über den Nissenhüttenplatz nach ihm.

Das brave Kind lief sofort nach Hause, irgendwas war immer. Ein LiterMilch in der Blechkanne holen, Niveacreme vom Drogisten, dessen Namen es immer umdrehte beim Kauf. Vineacreme sagte es, und Herr Heesch der Drogist musste jedes Mal lachen, wenn es die Creme kaufte. Er mochte das Kind sehr, und malte sich aus, dass es später einmal bei ihm in die Lehre gehen könnte.

Und den Leierkastenmann mit seinem Äffchen liebte das Kind ebenso. Es flehte und bettelte Modder Lütt um eine Groschen an, den es dann in den Topf auf dem Leierkasten warf. Der Groschen für den Kolonialwarenladen Kofahl, eingewickelt in Zeitungspapier, war immer erlaubt für einen Lolli, Brausepulver, Lakritzschnecken und Salmis, geklebt als Stern auf den Handrücken, herrlich.

Manche Freunde und Freundinnen taten es ihm gleich, und dann tanzten sie nach der Musik um den Leierkasten herum, und rannten ihm nach, wenn er weiter zog. 

Oder die Kinder spielten „ Fischer Fischer wie tief ist das Wasser“ „ Meyersche Brücke“ „ Länder klaun“ und das schönste aller Spiel für das Kind „ Geschichtenball“. Da spielten die Jungs natürlich nicht mit. Die Mädchen warfen dabei einen Ball gegen die Wand des Aschhauses im Hof, dachten sich Geschichten aus. Der Hof war Dreh-und Angelpunkt der Spiele der Kinder. Auch dann flog oft das Fenster von Modder Lütt auf, und das Kind musste wieder irgend etwas einkaufen. Manchmal versteckte es sich hinter dem Aschhaus, hangelte sich an das Spielgerät, und ließt sich lang baumeln. Schweinebummel nannten die Kinder es. Gingen dann die Laternen an, und das Kind kam nach Hause, hagelte es Backpfeifen von Modder Lütt, da war sie unerbittlich.

Eines Tages, als das Kind wieder beim Zirkus verweilte, wusste es, dass Modder Lütt beim Friseur Laubinger war. Meistens musste es dort mit hin, um den Friseurinnen die Lockenwickler zu reichen, auch hier der Plan von Frau Laubinger, das Kind sollte einmal eine Lehre beginnen. Diesmal hatte es sich schnell verkrümelt. 

Die Vorstellung war heute kurz, der Zirkus im Aufbruch.

„ Ich fahre mit“, dachte das Kind. Gesagt getan. Lange schon kannte es das Clownsmädchen, und versteckte sich in deren Zirkuswagen. Los gings. Über Stock und Stein in die Welt hinein. Das Kind fühlte sich wie im siebten Himmel. 

Das Clownsmädchen brachte ihm zu Essen und zu trinken, und sie erzählten sich wundersame Geschichten. 

Modder Lütt war in heller Aufregung, und der Vater sagte: „ Du hest nich opppasst op de Deern.

Es lag natürlich nahe, wo es sich aufhielt. Mit dem Nachbarn Ferdinand Koch, Zuckerlippe genannt, ein Taxenunternehmer, suchte er das Kind drei Tage.

Dann sahen sie das Zirkuszelt im Niedersächsischen auf einer Wiese stehen. Die Vorstellung hatte gerade begonnen. Ferdinand und der Vater setzten sich leise zu den Kindern, und verfolgten das bunte Treiben. Das Kind saß mit offenem Mund da. Noch nie hatte der Vater es so glücklich gesehen. Nun……. jeder Traum geht einmal zu Ende. Die Vorstellung war aus.

Zärtlich berührte der Vater die Schulter seines Kindes. Mit großen braunen Augen schaute es zu ihm auf. Er nahm es bei der Hand, und stieg zu Ferdinand ins Taxi. Zu Hause angekommen, schloss Modder Lütt ihr Kind fest in die Arme, zerdrückte es fast, und küsste das kleine Gesicht. 

Zum ersten mal flogen nicht die Fäuste, es hagelte keine Backpfeifen.

Es zog Frieden ein im Hause von Modder Lütt. Und wenn jetzt der Zirkus kam, durfte das Kind alle Zeit der Welt dort verbringen.

 ( © Monika Zelle 09.03.2021)

Haikus Corona im März 2021

Haikus – Corona  März 2021

Undurchsichtigkeit

Nebel über der Elbe

Aussichtslosigkeit

+

Eisschollen treiben

Alster noch nicht begehbar

Einbruchsgefahren

+

Ein nebliger Tag

Sonne verschlingt den Nebel

Die Kälte schwindet

+

Höher als mein Haus

Der Ahorn gegenüber

Muss Federn lassen

+

Die Triebe sind bereit

Baum und Strauch wandeln sich schon

Frühjahr begrüßen

+

Positiv denken

Das Frühjahr steht vor der Tür

Ein Hoffnungsschimmer

+

Wie ein Eichhörnchen 

Geschwind und mit viel Grazie

Den Baum hinauf klettern

+

Hoch oben auf dem Baum

Plustert es sich ganz dick auf

Gefahr in Verzug?

+

Mein Baum in dem Hof

Das Eichhorn in der Kirsche

Reinlichkeitsfimmel

+

Der Himmel ist weit

Die Wolken lachen mich an

Horizontale

+

Eiszeit ist vorbei

Temperaturen steigen

Der Frühling ist nah

+

Stürmische Zeiten

Das ist Ruhe vor dem Sturm

Der Tornadoblues

( © Monika Zelle  07.03.2021 )

+

+

Haikus  Corona  März 2021 

Es ist wieder kalt

Der Türmer bläst vom Michel

Am Morgen um 10h

+

Tulpen schießen hoch

Die Sonne küsste mein Gesicht

Lässt es erstrahlen

+

Der Himmel so blau

Bon giorno Italia

Ich komme ganz bald

+

Blumen im Papier

Für wen sind sie wohl bestimmt

Steht in den Sternen

+

Rauchend und sprechend

Zwei Männer auf dem Balkon

Frau kommt mit Brötchen

+

Keine Milch heute

No milk today the Beatles

Erbsenprotein

+

Die Schaufel im Sand

Ein Kind ließ sie wohl liegen

Mit rotgelbem Stil

+

Unsere Müllmänner

Pünktlich auf die Minute

Wie Mauerleute

+

Mein Rabe kräht laut

Überaus schlaue Tiere

Jetzt fliegt er davon

So still der Morgen

Keine Seele zu sehen

Straße menschenleer                   ( © Monika Zelle 08.03.2021 )

Der Brief

Leise fiel die Wohnungstür ins Schloss. 

Kein Laut war im Treppenhaus zu hören.

Sie schlich die Treppe herunter und verließ das Haus.

Langsam schnallte sie sich ihren Rucksack auf den Rücken, schaute noch einmal zum Fenster ihrer Wohnung hinauf, alles ruhig.

Plötzlich ging in der Wohnung einer Nachbarin das Licht an.

Ein Schatten.

Schnell versteckte sie sich im Torbogen, spähte noch einmal hinauf.

Der Rucksack wog leicht. Sie hatte nur mit, was sie tragen konnte.

In der Tram schlief ein Obdachloser.

An der Endstation stieg sie aus, lief den Weg zur Hütte zu Fuß hinauf.

Nach zwei Stunden erreichte sie ihr Ziel.

Die Sonne ging gerade auf.

Sie setzte sich auf die Bank, und genoss in vollen Zügen den wunderbaren Blick ins Tal.

Dann schloss sie die Hütte auf, machte Feuer und Kaffee.

Die Habseligkeiten aus ihrem Rucksack waren schnell verstaut.

Es wurde warm in der kleinen Hütte.

Das Frühjahr sollte kommen, teilweise waren die Wiesen noch mit Schnee bedeckt.

Sie legte sich auf ihr Bett, und schlief umgehend ein.

Vom unentwegten Klopfen des Spechtes am Baum wachte sie wieder auf.

Die Sonne stand jetzt hoch am Himmel.

Sie setzte sich wieder auf die Bank, und betrachtete ihre Hände mit den kräftigen kurzen Fingern.

Sie fand sie hässlich.

Ja, zupacken konnten sie.

Morgen würde sie ins Dorf hinunter gehen, und einen Brief aufgeben, den sie noch schreiben müsste, als Absender einen Namen und eine Anschrift, die sie selbst nicht kannte.

Langsam ging sie einen kleine Abhang hinunter, und erfrischte an der Pumpe ihr Gesicht. Das Wasser war kalt und klar.

Der Schwengel quietschte ein bisschen. Ein kleiner Tropfen Öl würde reichen, um es zu  beheben.

Draußen sitzen konnte sie noch nicht lange, aber für ein Stück Brot und Käse reichte es.

Sie genoss den heißen Kaffee, der auf dem kleinen Ofen vor sich hin gezischt hatte.

Die Stille hier oben war überwältigend.

Hier würde sie endlich zur Ruhe kommen, fern ab der lauten Stadt.

Plötzlich hörte sie ein Knacken im Unterholz, schaute in die Richtung.

Nichts zu sehen.

Bestimmt nur ein Reh.

Am nächsten Morgen machte sie sich auf den Weg ins Dorf.

Misstrauisch schauten die Bewohner ihr nach.

Sie betrat den kleinen Laden mit der Poststation, und gab den Brief auf.

Per Einschreiben. 

Irgendwie kam ihr die Frau hinter dem Ladentische bekannt vor.

Oder war es nur Einbildung?

Schnell verließ sie ihn, besorgte noch einige Kleinigkeiten im Gemischtwarenladen, und machte sich wieder auf den Weg zu Ihrer Hütte.

Ja, sie war noch da, ihre Flinte unter der Holzdiele. ( © Monika Zelle 23.02.2021 )

Nie wieder

Nie wieder

Papa….

Nie wieder werde ich Dein freundliches Lachen sehen, wenn Du von Der Arbeit nach Hause kamst, Mama mit einer frischen Schürze umgebunden, Dir die Tür öffnete, und ihr Euch in die Arme nahmt.

Nie wieder werde ich mit Dir und einer Horde Nachbarskindern zum Schwimmen laufen, wo Du uns ehrenamtlich beim „ Vorwärts“ das Schwimmen beigebracht hast.

Nie wieder werde ich vorn auf meinem Kinderfahrradsattel bei Dir auf dem Fahrrad sitzen, und den Heideweg hinunter ins Dorf sausen, um beim Bäcker frische Brötchen zu kaufen.

Nie wieder mit Dir und meinen Freunden auf unserem Land wie wild Fußball spielen.

Ich war Uwe Seeler und meine Cousin Herbert Jaschin der berühmteste Torwart aller Zeiten.

Nie wieder mit Dir durch die Lüneburger Heide wandern, die Volkslieder trällernd, die heute kaum noch jemand kennt.

Nie wieder mit Dir auf dem Heideweg um die Wette laufen.

Mit 50 Jahren konntest Du noch schneller laufen als ich mit meinen 13 Jahren, obwohl ich die beste Läuferin in meiner Klasse war.

Du warst immer ein guter Sportler, vor allem im Schwimmen und Boxen.

Nie wieder werden Deine starken Arme mich an Dein Herz drücken, Du mit Deinem weichen Herz, Deinem sonnigen Gemüt, und Deiner zarten Seele.

Nie wieder mit Dir und Onkel Judel jeden Samstag am Küchentisch sitzen, über Politik diskutieren, manchmal auch streiten. Von den schweren, von Dir zweimal erlebten Kriegsjahre hören, die Du als Kind 1914 – 1918 und als junger Mann und Familienvater 1939 – 1945 erleben musstest, während Mama für uns den von Onkel Judel vom Markt mitgebrachten Fisch zubereitet hat.

Du hast jüdischen Freunden das Leben gerettet, indem Du ihre Pässe gefälscht hast, was Dir Dank Deines Amtes als Leiter eines Wirtschafts-und Ordnungsamtes möglich war.

Nie wieder werde ich nach Hause kommen, in der Stube sitzen, dich fragen hören:

„ Na, was wünschen die Damen denn zu trinken heute Abend.

Ein einziges mal ist Dir die Hand ausgerutscht, weil ich Mama wegen einer sechs im Rechnen angelogen hatte.

Du warst für mich der liebste, gütigste, lustigste und netteste Mensch, den ich mir als Papa wünschen konnte.

Was würdest Du sagen heute.

Zu Corona.

Wahrscheinlich würdest Du sagen:

“ Nu stellt ju man nich so an, ju fallt jo nich de Bomben op`n Kopp as uns freuher in Krieg. Ji hefft een Dach övern Kopp, to eeten, und een warme Stuuv, watt wüllt ji mehr. Dat geiht schon wedder vörbie.

Ja, das würdest Du sagen.

Trotzdem, wie geht es weiter.

Werde ich je wieder meine Kinder und Freunde treffen und umarmen können?

Je wieder nach Dänemark oder Frankreich reisen können?

Je wieder schwimmen gehen können?

Nie wieder Krieg, würde mein Papa sagen.

Nie wieder hungern müssen, aber die Umwelt müsst ihr beschützen, damit Euch die Welt nicht eines Tages um die Ohren fliegt.

Wir haben nur eine Erde, und Euer Geld könnt ihr nicht essen.

Währet den Anfängen, würde er sagen, wählt links, nicht rechts.

Ja, das würde er sagen, mein Papa.

( © Monika Zelle 16.02.2021 )