Am Stintfang

Am Stintfang

So lang es noch Zitronenfaltern gibt

So lang ich bin immer noch verliebt

In Dich und in das Leben

Solang wird’s Hoffnung geben

Solang ich atmen kann

Und dann und wann

Das Leben spüren

Werde ich mich und Dich nicht verlieren

So lang die Sonne scheint

Oder auch der Himmel weint

Solang die Bienen schwirren

Werd ich mich nicht verirren

So lang der Mut mich nicht verlässt

Im wirren Baumgeäst

Umarm ich meinen Baum

Du ewiger Lebenstraum

( © Monika Zelle  13.07.2025 )

Ein Sommertag

Ein Sommertag

Wie ich ihn mag

Einen Liebsten an der Hand

Im schönen Heideland

Durch die Wälder streifen

Wo die Bickbeeren reifen

Tiefblaue Mündchen

Ein Schäferstündchen

Auf weichem Moos

Durch die Kiefern groß

Sonnenstrahlen blitzen

Die Leiber sich erhitzen

Abkühlen im nahen Fluss

Noch ein letzter Kuss

Dann geht’s zurück zur Bahnstation

Der Vorortszug der wartet schon…..

( © Monika zelle  11.07.2025 )

Tennessee Waltz

Tennessee Waltz

Ich bin verliebt.

Sehr verliebt.

Zum ersten Mal.

Ist es Liebe auf den ersten Blick?

Ich weiß es nicht.

Wir sind jung.

Sehr jung.

Jeden Samstag gehen wir zusammen ins Haus der Jugend.

Disco.

Wir tanzen.

Tanzen.

Bis zur völligen Erschöpfung.

Nach dem neuen Schlager von Alma Cohan auf deutsch.

Tennessee Waltz.

Auch gesungen von Connie Francis auf Englisch.

Doch dann.

An einem Samstag tanzte er mit einer Anderen.

Nach unserem Lied.

Und sie tanzten verliebt nach dem Tenn Tenn Tenn Tennessie Waltz.

Aber ich sah allein ihnen zu.

Und heut Abend bin ich einsam, aber mein Boy geht gemeinsam mit ihr, 

seit dem Tenn Tenn Tennesee Waltz.

Zum ersten Mal weiß ich, was Liebeskummer bedeutet.

Unendliche Traurigkeit.

Bis zu dunklen Gedanken.

Schlaflosigkeit. 

Wut über seine Untreue.

Eifersucht.

Lebensmüdigkeit.

Doch dann.

Irgendwann.

Geht auch das vorbei.

Der Lebensmut kehrt zurück.

Eine neue Liebe.

Wieder Liebe auf den ersten Blick.

Tanzen nach unserem Lied.

Nach dem Tenn Tenn Tennessie Waltz.

( © Monika Zelle 30.06.2025 )

Immer Sonntags

Immer Sonntags

Schlaf ich lang

Ist mir bang

Immer Sonntags

Der Kirchgang

Macht mich krank

Kirchgesänge

Orgelklänge

Gottes Dank und Segen

Nieselregen

Sonntagsbraten

Rätselraten

Mittagsschlaf und Kaffeetrinken

In Gedanken dann versinken

Spießrutenlaufen im Park

Nachbars Lumpi macht sich stark

Tagesschau und Abendbrot

Beim Tatort bleiben viele tot

Nur im Bett ja nur im Bett

Ist`s richtig nett…..

( © Monika Zelle  27. Mai 2025 )

Der Weg ist das Ziel

Der Weg ist das Ziel

Sie setzt einen Fuß vor den anderen. Neben ihr ihre Freundin Bärbel. Wie waren sie nur auf diese Wahnsinnsidee gekommen, den Jacobsweg von St. Jean,  in Frankreich beginnend, nach Santiago de Compostela zu laufen, und das im Hochsommer.

Die Sonne brennt, keine Wolke in Sicht. Vollkommen verschwitzt gönnen sie sich eine Pause am Fluss Arga, der sich gemächlich durch die Landschaft schlängelt. Sie entledigt sich ihrer Kleidung, und nimmt ein erfrischendes Bad.

Die Freundin badet nur mit den Füßen. Die Blasen schmerzen, müssen verarztet werden.

Die Familie ist schon längst mit dem Flieger in La Coruna gelandet, und verbringt dort herrliche Tage am Meer. Der Flug war ein Sonderangebot, einschließlich Mietwagen und Ferienhaus. Hoffentlich sagt es ihnen zu, und ist für die zehnköpfige Familie und die beiden Hunde geräumig genug. Der Garten schien auch groß genug zu sein auf dem Foto.

Ein bisschen neidisch war sie schon, jetzt nicht bei der Familie zu sein, ihre Freundin auch.

Sie hätten eine begleitete Reise machen können, wo das Gepäck in einem Auto gefahren wird, und wenn eine Person schwächelt, in dem Auto ein Stück mitfahren kann….

Aber das wollte sie und ihre Freundin auf keinen Fall.

Frei und unabhängig sein um jeden Preis, trotz ihres relativ hohen Alters.

Ihrer Seele die Gelegenheit geben, sich von den vielen Strapazen, und gesundheitlichen Beeinträchtigungen der letzten Jahre, zu erholen.

Sie baumeln lassen…

Die beiden Frauen nehmen frisch gestärkt durch das kühle Bad, und etliche Pflaster an den Füßen ihren beschwerlichen Weg wieder auf. Wie heißt es so schön?

Wer A sagt, muss auch B sagen…..

Weiter geht’s, ein Schritt vor den anderen.

Sie übernachtet nicht in einer der überfüllten Herbergen.

Sie hatte für sich und Bärbel günstige Pensionen in den Dörfern nahe des Jakobsweges für jeweils eine Übernachtung gebucht. 

Die Idee war den beiden auf ihrem Klassentreffen gekommen, das jedes Jahr am 2. Dienstag im April stattfindet. War es eine Schnapsidee? Man wird sehen!

Ihr Lehrer, 95 Jahre alt, war mit seiner Frau, 89 Jahre alt, auch immer noch dabei.

Sie bereisen oft Norwegen, um ihre Kinder hoch oben im Norden des Landes zu besuchen. Er fand die Idee der beiden Frauen sensationell.

Als ehemaliger Sportlehrer der Klasse, immer noch ziemlich fit, begrüßte er diese Idee voll und ganz.

Bärbel und sie mussten es einfach schaffen, auf Biegen und Brechen, auch wegen ihres Lehrers. Sie mussten sich beweisen.

Zumal die anderen Ehemaligen ziemlich skeptisch dreingeschaut haben.

Per Whats App konnte ihr Lehrer den Weg täglich begleiten, das hatte er sich ausbedungen.

Pamplona, die Stadt der immer noch blutigen Stierkämpfe, hatten sie inzwischen verlassen.

Täglich um 8 Uhr laufen die Stiere, begleitet von den Menschen, außer Schwangeren und Kindern, durch die Straßen. Es wird empfohlen, vorwärts zu laufen, auf keine Fall rückwärts, sonst ist man verloren. 

Weiter laufen, immer weiter, jetzt haben sie über Logrona Burgos bald erreicht. 

Die zwischenzeitliche Übernachtung mit dem köstlichen Abendessen hat sie für den nächsten Tag gestärkt. Auch die Blasen an den Füßen schmerzten nicht mehr so heftig.

Nach Burgos hätten sie es in ein paar Wochen über Leon und Sarria dann auch geschafft.

Aber es war noch eine ordentliche Strecke zu bewältigen.

Täglich versicherten sie ihren Angehörigen über Whats App Video, dass sie zwar sehr erschöpft, aber dennoch gesund und glücklich wären. 

Immer ein Fuß vor den anderen. Der Weg ist das Ziel……

You never walk alone.

( © Monika Zelle 10.04.2025 )

Nackt

Nackt.

Laut schreiend stürzte sie sich splitterfasernackt in die Fluten der Ostsee auf der Insel Als am Damm der Verbindung zu der Insel Kaegnes, von Adolf Hitler im 2. Weltkrieg erbaut, Autokrat, Diktator, Vegetarier, seine Parolen schreiend vor seinem Rednerpult, neben ihm sein Propagandaminister Josef Goebbels, Halbjude, Wortjongleur, der die Massen in seinen Bann zog wie kein Anderer, mit 6 Millionen Juden auf dem Gewissen.

Prustend, mit schnellen Zügen schwamm sie weit hinaus, die Wellen streichelten ihre weiche Haut, der 2. Weltkrieg gehörte längst der Vergangenheit an, an dem ihre Eltern, drei Mal in Hamburg ausgebombt fast zerbrochen wären, ihre Eltern, die sich nie schämten, nackt durch die Wohnung zu laufen, mit ihr zusammen zu duschen, was sie dann lauthals auf dem Hof der Frau Reifegerste kundtat, die staunend an ihrem offenen Parterrefenster stand, die dann abends gestikulierend ihrem Vater mit einer Anzeige drohte.

Freizügig sein, freigeistig, sich nackig machen, das hatte sie auch ihren beiden Kindern vorgelebt.

Schwer atmend schwamm sie weiter, immer weiter hinaus zum Horizont, der Sonne entgegen, immer in Gedanken bei ihren Eltern, wie diese laut lachend mit ihren sonnengebräunten Körpern nackend auf ihrem Heideland, drei Kilometer vom Dorf entfernt, im dichten Kiefernwald Verstecken und Kriegen spielten, dort wo sie in den 1930iger Jahren Bücher von Heine, Kästner und Bert Brecht Bücher in einer Eisenkiste vergruben, die sie nie wieder fanden.

In der Ferne sah sie ihren Mann am Strand spazierend, bekleidet mit T-Shirt und Schorts, an den Füßen weiße Socken, die in Sandalen steckten, Füße, die niemals den feinen Sand des Ostseestrandes zu spüren bekämen….

Aber er hatte ihr hoch-und heilig versprochen, wenn sie stirbt, und nicht mehr nackend in der Ostsee schwimmen konnte, ihre Urne genau an diesem besagten Damm zu bringen, um ihre Asche hier ins Meer zu streuen, genau hier.

In der Ferne sah sie ihren Bulli an der Steilküste stehen, grün mit weißem Dach, ein Oldtimer aus den 1970iger Jahren, den sie hoffentlich bald gegen ein Tinyhouse eintauschen konnte. 

Herr Sörensen, der Inhaber des Campingplatzes, hatte schon ein kleines Areal für sie reserviert. 

Ihr Blick ging abermals zur Steilküste, auf der sie sehr bald nackt, von der Sonne gestreichelt,

vor ihrem Tinyhouse sitzend, auf das Meer schauen würde. 

Das Leben ist schön.

( © Monika Zelle  01.04.2025 )

Voraussichten

Voraussichten

Wenn sich die Erderwärmung in den kommenden Jahren um 2° erhöht, ist das Miniaturwunderland, was eigentlich für die Ewigkeit erbaut sein sollte, in höchster Gefahr, überflutet zu werden.

Venedig würde im Meer versinken.

Die Hauptkirche St. Michaelis stünde voraussichtlich mit den Füßen im Wasser.

Die Bauern müssten anstatt Massentierhaltung längst auf Insektenproteine umgestellt haben.

Mücken überfielen Italien, und die Algen nähmen den Fischen den Sauerstoff.

Der Notstand würde ausgerufen….

Wenn Miriam gerade mit Paul in ihrem jährlichen Dänemarkurlaub noch mit den Füßen in der Ostsee planschte, wären die Regale der Supermärkte schon mit Weihnachtsmännern gefüllt.

Nicht aber in ihrem Biomarkt, in dem sie endlich wieder, wie seit gefühlten 50 Jahren, ihre geliebten Lebensmittel einkaufen würde, um sich und Paul um jeden Preis gesund zu ernähren. Auf die leckeren Brötchen, die nicht nur aus Luft bestanden, freute sie sich jetzt schon.

Auch auf die Rollenspiele am Telefon mit ihrer Enkelin. Lea freut sich bestimmt, wenn sie die Lego Friends Bausteine aus Dänemark so in zwei, vier, oder auch in acht Wochen in den Händen hält.

Dann würde sie ihre Zuckerschnute liebevoll in den Schwitzkasten nehmen.

Miriam machte sich große Sorgen um die Zukunft ihrer Enkelin.

Wie würden die Kriege in der Welt sich entwickeln, oder kommt endlich der langersehnte Frieden. Friedensverhandlungen waren nicht in Sicht.

Wenn sich der Krieg in Europa ausweitet, wären nicht einmal Bunker in der Nähe.

Wahrscheinlich würden sie und Paul einfach in ihrer Wohnung verharren.

Am Himmel war der Mond zunehmend. Miriam würde wieder keinen Schlaf finden.

In ein paar Tagen würden sie die Rückreise antreten. Miriam machte sich Sorgen um die Autofahrt, sie spürte Pauls Unsicherheit am Lenkrad.

Die vielen LKWs auf den Autobahnen, die die Lagerräume ersetzten, machten ihm zu schaffen.

Zu Hause angekommen, würde sie ihm von Herzen danken, dass sie heil angekommen waren.

Miriam würde ihm sein Lieblingsessen kochen, natürlich vegan. Sie würde seine Wäsche waschen, und seinen Koffer auspacken, den der Sohn in die kleine Wohnung in der 2. Etage ihres Mietshauses getragen hätte. 

Es würde für sie eine große Umstellung bedeuten, wieder in dieser engen Wohnung zu leben, nachdem sie 14 Tage ein geräumiges Ferienhaus bewohnt hatte.

Paul interessierte das alles nicht. Er wird wieder ununterbrochen auf seinem I Phone Glücksspiele spielen.

Ihre Nachbarin hatte die Pflanzen sicherlich gut gewässert. Wie immer. Das Andenken aus Hvide Sande würde sie bestimmt freuen.

Miriam hatte sich vorgenommen, endlich wieder einmal zum Schwimmen zu gehen. Mindestens zwei Mal in der Woche. 

Die abfälligen Blicke ob ihres Alters und der Orangenhaut würde sie zu ignorieren wissen.

Sie freute sich jetzt schon auf das beheizte Außenbecken, in dem sie auch bei Minusgraden ihre Bahnen zöge….

Die Sturmflutwarnung für die kommenden Tage in Hamburg machte ihr zu schaffen.

Sicherlich mussten wieder einige Fahrzeug vom Fischmarkt abgeschleppt werden.

( © Monika Zelle 25.03.2025 )

Prinzessin Augusta

Prinzessin Augusta

Sie ist ganz nah die Qual der Wahl

Prinzessin Augusta durchlebt eine Höllenqual

Wen soll sie denn nun freien

Von diesen Dreien

Bittet sie Fritze oder Olaf zum Traualtar

Oder den schönen Robert gar?

Ja dann vielleicht den Jungspund Robert

Er Frauenherzen gern erobert

Wen soll sie lassen in ihre heiligen Hallen

Robert ist ihr noch der Liebste von Allen

Doch er ist ein Tunichtgut

Da verlässt sie aller Mut…..

Niemals aber Alice aus dem Switzerland

Als Weiberheldin stadtbekannt

Wie konnte sie ins Reich nur kommen

Wie hat sie diese Hürde genommen

Natürlich mit ihrer Burschenschaft

Bestärkt durch Freude und auch Kraft

Augustas Vater würde sich im Grabe umdrehn

Würde er die Reichsbürger im Lande sehen

Fritze verkündet landesweit

Mit der Burschenschaft keine Gemeinsamkeit

Doch dann bei einer Zusammenkunft

Hält er doch zur Zunft

Nun zu Augustas Frage

Wen soll sie freien am Hochzeitstage

Augusta soll an den Herd zurück

Sich freuen auf Kinder und Mutterglück

Kinder sind ja schön und gut

Doch noch fehlt ihr der Mut

Wer von den Dreien soll der Vater sein

Augusta fällt wohl auf keinen rein

Verdammt und zugenäht verflixt noch einmal

Mit der verrückten Qual der Wahl

Und nun ist es passiert

Der Olaf die Wahl verliert

Der Fritze soll der Auserwählte sein?

Da gibt’s von Augusta ein klares „Nein!“

Alice tönt in die Welt hinaus

Jetzt macht sie dem Lande den Garaus

Bevor Augusta all dieses wird hassen

Muss sie auf der Stelle das Land verlassen.

( © Monika Zelle 18.02.2025 )

Die Qual zur Wahl

Die Qual zur Wahl

Sie sind ganz nah die Bundestagswahlen

Ich durchlebe gerade Höllenqualen

Wen soll ich wählen ins Kanzleramt

Sie geloben Veränderung allesamt

Wähle ich Scholz oder etwa Merz

Vielleicht gar beide zusammen gleich Schmerz

Niemals aber Alice aus dem Switzerland

Als Rechtspopulistin weltbekannt

Wie konnte sie nur in den Bundestag kommen

Wie hat sie diese Hürde genommen

Natürlich mit ihrer Wählerschaft

Gewählt mit Freude und durch Kraft

Mein Vater würde sich im Grab umdrehen

Würde er die Nazis im Kanzleramt sehen

Friedrich Merz verkündet landesweit

Mit den Rechten keine Zusammenarbeit

Doch dann bei einer Abstimmung

Ändert sich seine Gesinnung

Es geht um die Asylantenabschiebung

Da macht seine Meinung plötzlich eine Wendung

Zusammen mit der AFD stimmt er für das Abschiebegesetz

Und geht den Populisten in ihr Netz

Nun heißt es für die demokratischen Parteien alle Kräfte gebündelt

Damit die rechte Gefahr nicht an dem Asylantengesetz zündelt

Und sie schaffen es zum Glück

Auch die Geduldeten müssen nicht sofort in ihre Heimat zurück

Denn… währet den Anfängen

Die AfD lässt sich leiten von ihren Zwängen

Frauen sollen an den Herd zurück

Viele Kinder gebären ach Mutterglück

Oder doch nur Kanonenfutter?

Dann weint sie die arme Mutter

Drum Mütter sagt Nein zur Wehrpflicht

Ida Ehres Wort hat immer noch Gewicht

Oder Reinhard Meys Lied

Meine Söhne geb ich nicht

Aber wählen gehen das ist wichtig

Dann macht ihr alles richtig

( © Monika Zelle 18.02.2026 )

Weiter

Weiter…..

Der goldene Käfig

Wieder einmal sitze ich hier, und weiß eigentlich nicht, was ich hier soll.

Wäre ich doch viel lieber irgendwo in der Sonne am Meer, könnte mich den Wellen hingeben, weit hinaus schwimmen , das Wasser an meinem Körper spüren, die Weite um mich herum. 

Stattdessen hocke ich in einer engen Mietwohnung in der 2. Etage ohne Fahrstuhl. 

Seit Tagen ist es diesig und dunkel draußen, kein Sonnenstrahl durchdringt die dichten Wolken. Es ist Winter, der einzige Baum vor meinem Fenster strahlt auch nur Kälte aus…

Schemenhaft sehe ich durch ihn hindurch die Elfie.

„ In mir klingt ein Lied ein kleines Lied“. Wie gerne würde ich doch nur einmal ein Konzert dort besuchen. Doch ich sehe auf meinem kleinen Spaziergang durch mein Viertel nur die Besucherströme dorthin pilgern.

Teuer ist sie geworden, die Elfie. Statt 400 Millionen hat sie fast 800 Million gekostet.

Nichts für Leute, die nur von der Hand in den Mund leben.

Ich widme mich wieder meinen Recherchen im Internet. Ein Tinyhaus wäre super.

Entweder mitten im Wald oder am Meer. Viel zu teuer. Und wo soll ich mit meinem ganzen Krempel hin. Hunderte von Büchern belagern meine Schränke und Regale.

Nichts gegen meine Bücher, ich liebe sie heiß und innig, ich lebe in meinen Büchern und mit ihnen,  aber mitnehmen? Alle?

Mit dem Alter wird man immer schwächer. Einen Umzug müsste ich komplett von anderen machen lassen. Aber von wem? Den Kindern? 

Die sind so beschäftigt, dass sie für solche verschrobenen Gedanken ihrer Mutter keine Zeit hätten. Sle würden mich für verrückt erklären. Nach 50 Jahren Ehe mit fast 80 Jahren einen Tapetenwechsel?

Früher, ja da waren wir unterwegs, jedes Wochenende, mit dem Bulli. Viele Länder haben wir bereist. Die Erinnerung bleibt.

Das Buch von Elke Heidenreich „ Ihr glücklichen Augen“ lockt mich jeden Abend zeitig ins Bett. Ich versinke in die bildhaften Geschichten ihrer vielen Reisen. Elke hat schon in jungen Jahren bis heute die ganze Welt bereist, und diese Reisen in einem Buch zusammengefasst.

Immer noch besser, in diesem wundervollen Buch zu lesen, als jeden Abend das Leben aus zweiter Hand zu leben. „ Der eiserne Erzieher“ hat mein Vater immer gesagt.

Das endlose Zetern der Politiker*Innen der unterschiedlichsten Parteien. Rededuelle, um Stimmen für sich zu erheischen. Seit Jahrzehnten die gleichen Parolen, ohne irgendetwas zu ändern. Zum Beispiel das Thema Bildung, nie richtig angefasst. Oder die unsäglichen Renten.

Wie lange habe ich gearbeitet? Gefühlt 40 Jahre. Leider immer nur Teilzeit wegen der Kinder und der Pflege der Mutter. Und jetzt? Einen Hungerlohn an Rente.

In Österreich bekommen die Menschen 90% ihres letzten Nettolohnes.  Und zwar alle. Dort zahlen alle in die Rentenkassen ein. Das mag bei manchen nicht viel sein, aber immerhin eine Ansage. Was ist los mit den Politikern*Innen in diesem Land. Sich ihre Diäten erhöhen, das können sie. Als Vorstandsvorsitzende in Ausschüssen sitzen. Warum zahlen Staatsdiener*Innen nicht in die Sozialkassen ein?

In meiner Stadt gibt es viele Millionäre.

Doch ich sehe jeden Tag die Armut auf meinem Spaziergang durch den kleinen Park.

Dort sitzt er, der Mann ohne Namen. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt. Er lächelt mich an. Ich lächle zurück. Morgen bringe ich ihm heißen Kaffee und eine warme Decke.

Kein Wunder, dass so viele Menschen den unsäglichen Rechtspopulisten ihre Stimme geben, wenn die Politik sich nicht bewegt.

Neulich hat mein Sohn mich ermutigt mit auf eine Demo gegen Rechts zu gehen.

Ich hatte mir sogar ein Schild mit der Aufschrift „ Wehret den Anfängen“ umgehängt.

Dachte ich doch, ich könnte nicht mehr auf so eine Demo gehen. Viel zu laut. Zu viele Menschen.

Ich habe es nicht bereut. Mit Freunden meines Sohnes standen wir gemeinsam Hand in Hand in einer Menschenkette um das Rathaus. Ein gutes Gefühl. Sogar unser Bürgermeister war dabei.

Und nun.

Die Tage plätschern dahin, ohne große Veränderungen.

Ich liebe Veränderungen. Reisen, so wie Elke, durch die Welt chatten. 

In meinem Alter? Aber ist das jetzt ein Leben? Die meiste Zeit auf dem Sofa?

Den „ Mitbewohner“, wie er sich selbst spaßeshalber nennt, fast nicht mehr wahrnehmen, weil  ihm das Smartphone wichtiger ist. Diese Geisel der Menschheit, Fluch oder Segen? Mitbewohner. Frechheit. In jedem Spaß steckt auch etwas Ernst, oder?

Was werde ich tun.? Wie werde ich mich entscheiden? Wieviel Zeit bleibt mir?

Eine Gefangene meiner selbst sein, oder wie Elke noch einmal in die Welt hinaus.

Vielleicht auf dem Jakobsweg? Nicht nach Santiago de Compostela in Spanien.

Nein. Da pilgern sie alle hin…..Er kann vor meiner Tür anfangen, der Jacobsweg, 

und dann? Immer weiter, weiter weiter…..

( © Monika Zelle 11.02.2025)